es war ja, vor ganz, ganz langer zeit, solange, dass unsere kinder schon wieder zu fragen beginnen, wenn
sie denn bitte wieder einmal kämen, ebendiese dame bei uns. es war der tag1 nach dem die footballer vom papi europameister wurden und der götti, sein bruder und dessen freundin in die bündner berge kamen. es war hammer, aber ich glaube, das berichtete ich schon. nachdem jetzt endlich die fotos aufgeladen sind, hier das ganze in bildern:
es gibt ja zwei seen da oben, und der andere gefällt mir gar nicht. es ist zwar ein wunderschönes bild von oben und man kann, ganz kleinkindereventmässig mit einer standseilbahn runterfahren, aber das ist auch schon die hauptattraktion. der rest: disneyland.
ich war wieder einmal visavis der alten heimat zum jassen. wer nicht weiss, was das ist, der klicke bitte:
hier. ich persönlich spiele ausschliesslich schieber, eine variante, für die man zu zweit zusammen spielen muss. es war nicht der abend von mir, es war nicht der abend meiner lieblingspartnerin. kombinationen, die auf dem papier super schön aussehen, nutzen nix, wenn die partnerin sagt: «ich hätte uneufe gespielt.» auch sonst nutzen sie nix; wer will schon immer nur mit solchen blättern spielen? so schaute ich ab und zu in die alte heimat rüber und dachte: das einzige, was ich wirklich vermisse, sind die sommerabende mit der kinderkrankenschwester, wenn wir betrunken durchs dorf wanderten und uns gegenseitig ganz fest stützen mussten.
ich fuhr dann wieder nach hause, nach zehn uhr, und ich sagte noch: irgendwie ist mir unwohl im zug so spät. ich sass in ein ruhiges abteil, und dachte, da sind alles normale menschen drin, auf den ersten blick halt, und dann wurde es unten laut. es war nur ein einziger satz, es ging irgendwie um «halt die fresse» oder so in einem unglaublich aggressiven ton, und um mich war es geschehen. ich habe, weil mein abteil immer leerer wurde, insgesamt drei mal den wagen gewechselt, weil ich mich einfach nicht sicher fühlte. natürlich, ich neige zur hysterie in solchen momenten, aber lieber einmal zu viel auf nummer sicher als gar nicht. gleichzeitig regte ich mich darüber auf, dass ich so unsicher geworden bin.
am bahnhof dann die nächsten besoffenen halbwüchsigen. ich verzichtete auf weiteres unwohlsein und nahm ein taxi, für einen preis, für den ein zürcher taxifahrer nicht mal die scheibe runtergelassen hätte. :-)
(einen tag später war dann alles wieder vergessen. wir waren in der heimischen badi, sehr hübsch, haben draussen gespielt und das büro aufgeräumt, das man jetzt endlich wieder zeigen kann. es ist, haben wir festgestellt, grösser als manche einzimmerwohnung, die wir kennen. :-))
es gibt diesen einen fleck, den nimmt man immer mit. er offenbart sich nicht auf den ersten blick, sonst würde man ihn zu hause lassen. vorzugsweise macht er sich auf dem tischört breit, da, wo die mitte eine imaginäre linie zieht. oder auf der schulter. und, auch ganz beliebt: die hosentaschen.
man sieht ihn erst im lift, wenn man hochfährt zu wichtigen gesprächen. eines von denen, wo der eindruck, den man macht, zählt. wo man nicht jeans und das lieblings-tischört anzieht, sondern dasjenige, das weiter unten im schrank liegt und nur für besondere anlässe gebraucht wird.
er wird natürlich in dem moment riesengross, wo man ihn entdeckt. er wächst dann mindestens auf die doppelte fläche an, auch weil man weiss: wasser hilft jetzt gar nichts. allenfalls würde wasser ihn auch noch grösser machen. manchmal versucht mans trotzdem, auch wider besseres wissen: der wasserfleck fällt mehr auf als der fleck selbst.
und das schlimmste ist: nicht immer sind die kiz daran schuld.
gestern, da feierten wir schweizer den 7xx. geburtstag der schweiz, und wir waren bei freunden zu gast. es gab gegrilltes (ich glaube, die grillsaison.10 ist für mich abgeschlossen, ich kanns kaum mehr sehen und riechen), die kinder hatten spass und die erwachsenen auch. um 21 uhr circa gab das häxli auf, legte sich aufs sofa der gäste und wollte nur noch, dass ich ihr «choo-choo, choo-choo, d'isebahn chunnt – chinde gönd uf dsiite» usw. vorsinge, aber sie war eingeschlafen, bevor das lied zu ende war.
um circa 21.30 uhr begann der himmel heller zu werden. es waren, das stellte sich später heraus, nicht alles raketen, sondern auch ein paar blitze darunter. jedenfalls standen wir am strassenrand, guckten in die berge und zählten die höhenfeuer und dann, dann wars: ruhig. die kinder schmissen allerlei zeugs auf den boden und in die luft (das kind.10 lässt panzer die strasse auf und ab fahren, die vom druck von minivulkänen angetrieben werden, wie pervers!) und es war: ruhig. und, noch besser: die luft roch nicht so penetrant nach schwarzpulver.
ich kann die knaller, die ich hörte, an einer hand abzählen. die raketen hielten sich in bescheidenem rahmen. und: es war gut so. es war richtig wohltuend. früher, an zürichs goldküste, musste man nicht damit rechnen, vor mitternacht schlafen zu können. zeitweise musste ich jeweils an meine onkel denken, die bei feuerwerken von anderen jeweils sehr zynische kommentare und vor allem geldsummen in die runde geschmissen hatten. hier gab es, hab ich mir sagen lassen, die teuerste rakete für 150 stutz. damit wären sich, behaupte ich, die reichen vom see sehr billig vorgekommen.
was der bollo vom abend mitnahm (wir brachten nix zum abfeuern mit). ich fragte ihn einmal, ob es ihm gefalle, und er erklärte: «extrem.» und dem gastgeber sagte er, bevor wir nach hause gingen: «ich hab dich lieb.»
als ich letztes jahr unverschuldet meinen job verlor – mit ein paar anderen noch –, da hab ich mich fast ein wenig gefreut. ich freute mich darauf, genug zeit fürs zügeln zu haben, zum einräumen, und überhaupt träumte ich mir ein leben mit kräutergarten, gemüsegarten, sirup und salzmischungen basteln, von dem ich kaum erwachen wollte. zwei tage die woche die kiz in der krippe, zeit genug, mich meinen experimenten, dem haus und dem finden eines neuen sozialen netzes zu widmen.
und ja: es war toll. es war hammer. wir haben selbstgemachtes curryöl, wir haben selbstgemachtes salbeiöl. wir haben selbstgemachtes rosmarinöl, und alles schmeckt gut, obwohl ich das billigste olivenöl dafür genommen habe und nicht, wie überall geschrieben wird, das absolut beste, wo giz. ich habe liebstöckel getrocknet, obwohl überall geschrieben steht, es werde bitter, und ich finde es fein. bitterness kann ich keine entdecken, aber wurst. ich habe sirupe ausprobiert und bin mehr als einmal grandios gescheitert, und ein paar wurden richtig fein. zwei starben trotzdem, aber auch das kann man als anfängerin verkraften. ich werde nächstes jahr noch zitronenmelisse anpflanzen, ringelblumen und eine art feld-wald-wiesen-arnika; mal sehen, ob das klappt. soweit zu meinem neuen hobby.
das hobby ist nicht sehr zeitraubend, ausser man muss an einem tag sechs kilo erdbeeren verarbeiten. ich kann das locker nebenher machen, weil die kinder, die spielen zwar gern lego, aber sie brauchen ihre mutter nicht jede minute dazu. so ein ingwersirup, der geht locker nebenher, und wenn die kinder nach badi schreien, kann ich auch mal einen tag aussetzen.
das alles, hab ich gemerkt, füllt mich aus, macht mir freude, aber es ist nicht alles. ich bin nicht, das habe ich gemerkt, die mutter, die den ganzen tag zu hause sitzt und wartet. mir kommen sämtliche energien abhanden, selbst die einfachsten: ich schaff es nicht mal, rechnungen zu bezahlen, weil: ich hab ja immer noch am nächsten tag zeit. früher war ich abends zwar müde, aber es gab grenzen, die wurden nicht überschritten, nämlich: rechnungen zu bezahlen. einen tag vorbereiten, am nächsten tag zahlen. echt, das klingt einfach, aber es ist für mich der reine horror im moment.
auch meine geduld mit den kindern lässt nach. die zwei sind schätze, aber ich sehe stundenlang nur alles negative. haben andere auch, ich weiss, aber ich habe zu viel zeit, darüber nachzudenken. aus mücken elefanten zu machen, und zwar an ort und stelle. und das tut ihnen und mir nicht gut. ich brauche, das wurde mir klar, auch nach dem es mir verschiedene menschen an den kopf geworfen haben, dann und wann einen anderen kontext. ich habe schon viele freundschaften geschlossen hier, ich kann locker eine ganze woche verplanen, aber eben, es ist nicht alles.
und deshalb hab ich mich heute in ein arbeitsbeschaffungsprogramm einweisen lassen. ich werde, das wurde mir ebenfalls klar, in meinem beruf keinen job finden. es ist zwar perlen vor die säue geworfen und tut mir im herzen weh, aber es ist halt so. ich hadere nicht gross, ich sehe nur: ich brauche einen ausweg. einen anderen kontext. baue ich also auf auf dem, was ich kann und dann wird sich was geben, da bin ich sicher. und bis dahin besuch ich dieses arbeitsbeschaffungsprogramm und lerne neue dinge. und wenn nicht, dann hatte ich zumindest eine zeitlang einen anderen kontext.
ja, ich bin gescheitert. ich muss mir sagen, dass ich nicht diejenige bin, die nur für die kinder da sein kann. und für das haus. und für was weiss ich was. ich habe immer gearbeitet. und dann, hoff ich, kommen auch die nerven für die kiz zurück. und die energie, wenigstens die rechnungen zu bezahlen.