(damit die text-bild-schere hier drin nicht zu fest auseinanderklafft und weil ich schon das heulen kriege, wenn ich mir das nur ansehe. und dieses jahr zweimal!! in dieser aufnahme spürt man den unglaublichen pathos dieses liedes, das von den häusermauern widerhallt, nicht. aber man kriegt eine idee davon. das video zeigt den einzug der contrada di lecorno auf den campo, gefolgt von der contrada della chiocciola. der mann im kostüm ist der reiter, er folgt meist hinter dem pferd mit den capitani. es wird immer ohne sattel geritten, deshalb tragen auch die pferde nichts als den schmuck «ihrer» contrada.)
der bollo hat ein kragenshirt geschenkt bekommen, auf dessen rücken groß geschrieben steht: der gefürchige pirat bollo. pirat und buchstaben sind gestickt, und das shirt musste zu lasten des heiß geliebten bärchenglacetischörts vom migros sofort angezogen werden. mal sehen, ob ich's noch fotografisch würdigen kann, ich weiß nur: der bub ist extrem glücklich.
ich kann dem häxli ihr «häxli? häxli au!» fast nicht mehr hören.
heute, an einer photoausstellung über unseren wohnort gestern und heute, hab ich gemerkt, dass die geschlechterunterschiede schon im kleinkindalter beginnen. merke für die zukunft: wenn ein junge einer frau die tür in die nase haut, ist er ein frecher bengel. wenns ein kleines süsses mädchen ist, kann sie a) nix dafür und b) «sind türen dazu da, zugemacht zu werden.»
es gibt dinge, die werden wirklich einfacher, je älter die kinder werden. sie können, wenn sie aufwachen, problemlos eine stunde spielen, ohne die eltern gross beim schlafen zu stören. oder sie schauen problemlos einen ganzen film, bis die eltern finden, es sei jetzt zeit zum aufstehen. so wird aufstehen human.
alle motzen über das wetter, aber ich hab grad auf feissbuck gesehen, dass wir am 1. november zum zmittag gegrillt haben und in kurzen ärmeln rumhockten. drum: aufhören motzen.
ich habe, zwei tage nach dem vortrag vom bollo, dass man tiere nicht töten darf, einen schnorgg (der eb nennt das sansarde) mit dem schwert meines sohnes umgebracht. das, wurde mir versichert, darf ich.
der letzte irving war müll. ich hoffe, der nächste wird besser.
«i could start a revolution/ i could call out your name/ whatever is needed/ whenever you need it
but
like breakfast with aliens: you know it never happens.»
das lied ist natürlich beladen mit erinnerungen, die jetzt aber keine rolle spielen. ich habe aber diese wunderbar tiefe stimme im ohr, die das singt, und dann, ganz ruhig, übergeht zu diesem teil: «but like breakfast with aliens: you know it never happens.»
kein lied, das alle hören, aber ich hab mich damals sofort verliebt.
wir waren heute auf einem schloss in der nähe. es war cool, aber erst, nachdem der bollo, der sich als ritter verkleidet hatte, eine zinne fand, von wo er die mitgebrachten pfeile schiessen konnte. es war gar putzig anzusehen, und er war mit feuereifer dabei.
es ist wunderschön, den beiden kindern zuzusehen wie sie in der badewanne mit dem piratenschiff spielen. zwar sagt das häxli nur: hooooi! oder lässt die piraten vom schiff rutschen - in einer freude - aber doch, sie spielen.
heute abend war ich dann für das abendritual zuständig. das häxli hatte zu diesem zweck eigens die karten vom nemo-memo mitgenommen und ich durfte sicher 30 mal die namen runterbeten. worauf wir begannen, alle szenen nachzuspielen, die wir kennen. es reicht lustigerweise fast für den ganzen film. sehr beliebt: du backfisch in orange! oder: du wardst gerufen auf den wannahokalugi-berg. oder auch: ich bin ein lieber hai. keine hirnlose fressmaschine. fische sind freunde, kein futter.
manchmal werde ich gefragt, ob ich mich schon eingelebt habe hier in der bündner pampa, und die antwort lautet: ja. so vieles ist besser geworden; in erster linie: der platz. wir waren vorher, würd ich behaupten, eher eine nervöse familie; das hat sich komplett verändert oder ist nur noch dann vorhanden, wenn wir unter stress stehen.
ich war seit gut einem monat nicht mehr in zürich – und das ist gut so. das letzte mal, als ich dort war, waren mir die vielen leute ein echter graus. hier, auf dem land, da kann man in einen wald gehen und man trifft stundenlang weder eine sau noch einen menschen. man hat so viel platz - für sich, für die kinder. und ruhe. ich liebe diese ruhe hier. gestern hab ich beim abholen der kinder in der krippe ein feuerwehrauto gehört, gefolgt von der polizei. ich bin so was von erschrocken, das glaubt kein mensch. im vergleich dazu fühlt sich die seestrasse aus der distanz an wie nyc :-)
ich mag das leben, das wir hier führen. sehr positiv ist natürlich, dass wir hier schon etwas aufgebaut haben, das schon vorher bestand. wir müssen nicht von null anfangen; wir kennen schon viele leute in der gegend und können kaum irgendwo hin, ohne jemanden zu treffen, den wir kennen.
die eingliederung des bollos in die ü3-gang dauert weiter an; manchmal denk ich, ich bin die einzige, die sich darüber gedanken macht, und ich aufpassen muss, dass es für den bollo nicht zu einem problem wird, das in der realität nicht existiert, weil er sich seinerseits keine gedanken darüber macht oder es nicht so schwer nimmt wie ich. ich glaube aber, dass sich spätestens mit dem eintritt in den kindergarten das problem von selbst behebt. und bis dahin hat er noch andere freunde, halt nicht im quartier, aber von anderswo. besonders beliebt, immer noch: der cousin.
auf jeden fall: ich hab null lust, nach zürich zu gehen. und ich bin froh, sind wir weg von da. :-)