es sind bilder wie diese, die mich in meinem gefühl bestärken: diese familie ist komplett. das bild ist von heute nachmittag, die kinder waren happy - und sind verliebt. der grund ihrer liebe trägt einen namen:
seenia. sie kam, sah und siegte, sozusagen. sie liess die grossen am morgen ausschlafen, obwohl der bollo ihr schon nächtens um drei verklickern wollte, dass jetzt! zeit zum zmorge machen wäre – eine show, specially für seenia, für uns macht er das nie. drei stunden später wollte er wieder, liess sich von ihr dann aber überzeugen, dass er nochmals ins bett gehen sollte, was er für zwei stunden tat. um acht schlossen sie die tür hinter sich und wurden nicht mehr gehört bis halb 10. :-)
ich könnte so viel erzählen, so viel schönes, so viel lustiges, das wir erlebt haben, aber eigentlich reicht folgendes komplett: es war ein wunderbares wochenende mit einem wunderbaren menschen.
mein sohn ist ein partycrasher. die gestrige, der empfang für neuzuzüger, war ein klassiker. man stelle sich vor: in einem saal des kirchgemeindehauses sitzen leute. sie hören einem mann vorne zu, der über die gemeinde etwas erzählt, aber leider nix neues, als das, was man auch im heft nachlesen kann, das man als neuzuzüger erhält. zusammengefasst: langweiliges setting.
familie rage kommt zu spät, und mit besuch, der gar kein neuzuzüger ist, sondern einfach mitgebracht wird. relativ schnell wird realisiert, dass das kein setting für unsere kinder ist, der eb verschwindet mit der tochter wieder nach draussen. der sohn will drinnen bleiben und sitzt eine weile still.
dann wird es auch ihm zuviel, sprich: zu langweilig. er kommt zu muttern und dem besuch und nimmt die handtasche auseinander. als er das telefon erblickt, will er einen video gucken, aber das geht natürlich nicht. so nimmt er den schlüssel, an dem ein sackmesser angebracht ist.
das sackmesser ist scharf, ich hab mich mit dem schon geschnitten, sehr tief sogar. der sohn fährt die klinge entlang und fragt: wie hast dich geschnitten, so oder so? frau muttern zieht es die allerwertestenbacken zusammen. man stelle sich vor: ein blutendes kind in einem weissen saal. sehr harsch erklärt sie dem kind, dass er den schlüssel zurück geben soll. «mami, du hast schon das telefon. du kannst nicht beides haben!» spricht es ziemlich laut.
es ist der moment, in dem frau rage mit sohn den saal verlässt. der besuch bleibt drin. später erzählt sie mir, dass sich alle kaputt gelacht haben ab meinem sohn. es war auch völlig aggro-frei, kein einziger strafender blick hat uns getroffen. es gab noch mehr unruhe; ein baby soll seinen mageninhalt auf den boden entleert haben. da waren wir schon draussen.
den rest des abends verbrachten wir mit dem zeitungslesespiel im strömenden regen und später noch auf dem schulhaus-platz beim allmonatlich statt findenden apero. :-))
unten tost der fluss, oben mäandern die strassen den berg hinauf. es gibt orte in graubünden, für die müssten die ersten bewohner verprügelt werden, so hoch oben liegen sie. unten liegen weitere dörfer und auf der anderen seite geht es wieder hinauf, man will sagen, ins uferlose, aber da ist die baumgrenze, der berg und dahinter wird es unterhalb der baumgrenze wieder genau gleich aussehen wie hier: im domleschg.
solche dörfer, weiler, wirken wie eine verschworene gemeinschaft. man betritt ein restaurant und wird sofort als auswärtige identifiziert. die kellnerin versteckt ihre neugier hinter zuvorkommenheit. ich spiele mit und verrate kein wort über mich. die aussicht würde meinen sohn verzaubern; zwei burgen oder das, was davon übrig blieb, auf einen schlag.
ich fahre weiter; und meine freundin unten in, man muss fast sagen grossstadt: chur, lacht sich kaputt, weil ich die hauptstrassen benutze anstelle der autobahn. (ich hasse autobahnfahren, die tunnels auf der san-bernardino-route besonders.) ich sehe mehr vom land, sag ich ihr, und sie lacht sich weiter kaputt: sagt die, die an millenium die coolste von uns allen war. was wurde bloss aus dir?
aber ich verliebe mich in orte, deren namen wie ein luxemburgerli auf der zunge vergehen: paspels, fürstenaubrück, st. agatha, und schliesslich, das ende der reise: scharans. dort sitze ich am dorfeingang auf eine holzbank, bis ich denke: wenn schon mal hier, dann lernen wir das dorf kennen.
ich laufe an alten häusern vorbei, in deren gärten die grabsteine der grosseltern wie ein ewiges mahnmal in die mauer gepfählt wurden. es summt und brummt und lacht; scharans muss ein fröhliches dorf sein, denk ich mir, kunststück: dahinter beginnt das nichts. ich gehe ins kleine dorfbistro, diesem sammelbecken der urgesteine, und merke: hier ist der sängerbarde zu hause. die wirtsleute, zwischen meinen eltern und meiner grossmutter angesiedelt, verstecken ihre neugierde nicht; aber ausser dass ich das neue buch von irving lese, das mich kaum mehr loslässt, letzte nacht in twisted river, erfahren sie nichts von mir.
«sehen sie», sagt die dame beim abschied ungefragt: «diese zwei mädchen waren die töchter von linar.d bard.ill.» vor meinem inneren auge ist leere, ich hab keine ahnung, welche mädchen sie meint. aber ich bin sicher: in scharans sind sie glücklich. wäre ich, bin ich mir sicher, auch.
das hier sind die beiden besten freunde der welt: der bollo und sein cousin. sie haben eine neue, sehr verantwortungsvolle aufgabe: an den american-football-spielen zu hause dürfen sie dem schiedsrichter jeweils den ball bringen. das wird von viel musik und der ankündigung: «das sind die beiden kleinsten grössten broncos-fans der welt» begleitet. dem bollo sein stolzes gesicht, wenn sie wieder aus dem feld zu rennen kommen, das ist einfach unbezahlbar. :-)
der lieblingscousin wird heute vier. die beiden lieben sich heiss und innig, und mit niemandem spielt der bollo so ausdauernd wie mit ihm, auch wenn er den jüngeren dauernd rumkommandiert. er wird aber im streitfall auch mit keinem so handgreiflich wie mit ihm. auf jeden fall glaub ich, das ist eine beziehung fürs leben. sie sehen sich auch mindestens einmal die woche.
am letzten sonntag lief ich übrigens mit dem kleinen cousin einmal ums feld. irgendwann, als wir beide so vor uns hin dackelten, schaute er mich aus seinen grossen augen an und fragte: «seid ihr auch für die broncos?» ich bejahte. «aber gell, da wo wir für torre sind, da seid ihr für bruco.» (er meint die contrada am palio.) ich bejahte erneut. wir liefen weiter. plötzlich blieb er stehen, schaute mich wieder an und fragte: «und für den hcd seid ihr auch?»
der kleinen hexe ihr kommentar übrigens, als ich fragte, wer geburtstag habe: «häxli burtstag. endlich. wieder.»
es gibt momente, da mutiert der bollo zu einem anderen menschen. er, der sonst kaum zwei sekunden warten kann, bis er bekommt, was er will, wird zum lamm. zum grossen buben, grösser, als es seine vier jahre eigentlich zulassen würden.
gestern gab es ein paar solche momente. wir waren ohne papa unterwegs, in die ostschweiz, mit kinderwagen und zug. der bollo schaute auf seine kleine schwester, dass es eine freude war. wehe, sie lief zu fest auf die strasse. wehe, sie berührte einen der elektrokasten, die manchmal am strassenrand stehen. er half, den wagen hinein zu lupfen, wieder hinaus, und er half dem häxli herself, in und aus dem zug zu steigen. und einmal, da zog er sie im zug ganz nahe an sich und gab ihr einen kuss.
den tag verbrachten wir in mamis alter heimat, und weil der ursprüngliche plan vorsah, uns in der alten badi zu treffen, kam der bollo-götti flugs in die ostschweiz. es war ein hammer-tag.
habe die tochter «zöpfli-susi» genannt. reaktion: «nei, nid öpfli-susi».
tochter zählt bis 13. vorige woche war es nur bis elf. den sinn der zahlen hat sie aber erst bis zwei begriffen.
die tochter liebt «kleiner donner». wenn sie mit ihrem bruder piratenangriff auf die burg spielt, flieht der ritter immer auf «kleiner donner». heute hat sie sich sogar ein rüebli vom znacht abgespart und dafür «kleiner donner» gebracht.
mein bedürfnis nach frischer luft ist gedeckt für heute. deshalb hab ich mich auch eingekellert :-)
noch zwei wochen, dann hat der eb ferien bis september. cool, nicht?
mein gärtli gedeiht prächtig. muss das mal fotigrafieren.