meine lieben schweizer, ihr habt euch heute entschieden: ihr wollt die kriminellen ausländer raus haben und findet es recht, dass die reichen für ihr vermögen nicht zur kasse gebeten werden. so wie ihr einst die erbscha.ftssteuer abgeschafft und die minar.ett-initiative angenommen habt.
aber. meine lieben: man konnte das voraussehen. es ist nun mal die stimmung im volk. man fühlt sich im ausgang nicht mehr sicher und denkt, wenn man abstimmt, dann müssen die alle weg. natürlich hat das eine nix mit dem anderen zu tun, aber so funktioniert das volk. man sieht nur: ivan s., verge.waltiger. klar, den wollen wir hier nicht. auch wenn er hans m. heissen würde. aber den kann man nicht ausschaffen, den kann man nur einsperren. es ist nun mal so, dass es leute gibt, die das gefühl haben, sie seien die einzigen, die arbeiten müssten, und die ausländer nutzten nur die iv aus. und dass die sonntägliche bilanz der messerstechereien mehr ivan s. ausweist als hans m., das fällt nun mal mehr auf. undundund.
ich bin wirklich weit davon entfernt, eine rassistin zu sein, und ich war auch gegen diese initiative. doch offenbar ist es so, dass die mehrheit des volkes sich entweder verarscht oder betrogen oder sonst was fühlt. das muss man einfach mal akzeptieren. das muss man bekämpfen. man muss ein klima von gegenseitigem respekt schaffen, mal über den tellerrand hinaussehen und die (abstimmende) mehrheit des volkes ernst nehmen und danach handeln.
immer nur sagen, es ist nur halb so schlimm und die meisten sind ok, das geht nicht. die, die ok sind, von denen lesen wir nicht in der zeitung. die leben mit uns, neben uns. und meist wissen wir gar nicht, dass sie im prinzip anders wären als wir. was mich aber am allermeisten aufregt, sind die gutmenschen, die jetzt entsetzt sind. hallo? dann geht mal abstimmen! dann hört mal auf mit gutmenschen-tum! dann sagt mal, was sache ist, und was man dagegen oder auch dafür tun kann! und zwar so, dass man auch zuhört, nicht dass die dampfwalze von der anderen seite alles platt machen kann!
denn genausowenig, wie alle ausländer betrüger, vergewaltiger und sonst was sind, genausowenig sind alle schweizer ausländerhasser. es wurde nur das kleingedruckte nicht richtig gelesen.
gestern war ich in zürich an einer party, und weil wir noch einen umschlag brauchten und nicht fanden, haben wir spontan ein buch gekauft: «verbr.echen» von ferdin.and von schir.ach. ich hab damit angefangen, als ich während der party in der garderobe sass, wo ich eine überraschung fürs geburtstagskind vorbereiten musste, las weiter, als ich im zug war, las weiter, als ich nach ein uhr im bett lag und las weiter, als ich heute um 10.30 aus einem tiefen, traumlosen schlaf erwachte. dann war ich fertig. (es ist nicht sehr dick.)
der mann ist verteidiger – und ein enkel des wiener gauleiters ba.ldur von schi.rach – und erzählt sechs, sieben fälle aus seinem berufsleben. er erzählt von einem mann, der den schädel seiner frau mit einer axt spaltete, von drei jungs, die auf die schiefe bahn und wieder zurück kamen, von einem jungen mann, der seine freundin aufessen wollte und später tatsächlich zum mörder wurde, und von einem adoptierten äthopier, der in seiner «heimat» glücklich wurde und wegen eines früheren fehlers wieder zurück nach deutschland musste.
ich habs wirklich verschlungen, das buch, und ich glaube, das war deshalb, weil es frei von voyeurismus, verurteilung und effekthascherei ist. so grauslig die fälle daher kommen – krimis sind wirklich ein, pardon, scheiss gegen die wirklichkeit –, so flüssig sind sie zu lesen. man erfährt auch sehr viel über die arbeit eines verteidigers, zum beispiel, dass sie in jedem fall an die schweigepflicht gefunden sind und warum es manchmal besser ist, nur die halbe anstelle der ganzen wahrheit zu wissen.
deshalb: pflichtlektüre für krimifans und falls noch jemand ein geschenk für einen krimifan braucht, ebenfalls ein guter tipp. ich werde «schuld» auch noch lesen.
vor ein paar tagen fiel mir auf, dass die heizung weder im kinderzimmer noch im elternschlafzimmer eingestellt ist. das fiel mir an dem tag auf, als ich schlaftrunken erwachte und feststellte, dass ich auf und nicht unter der decke lag, weil es mir schlicht zu heiss war unter der decke. nun haben wir hier zumindest draussen mittlerweile ziemlich kalte temperaturen, also ich in jeans friere sehr, wenn ich mich nicht bewege.
aber ich bin eine, die braucht zwingend etwas drüber um zu schlafen, auch bei 40 grad am schatten muss es zumindest ein leintuch sein. deshalb fiel mir das wohl auf, dass ich auf der decke lag. im kinderzimmer, in das ich die letzten nächte mehrmals umziehen musste, weil der bollo, der ja, wie beschrieben, auch winters mit sommerhosen nicht kalt hat, zu uns kam und dann IMMER auf der decke liegt, was mich tierisch nervt. die letzten nächte kam aber auch noch eine schreiende hexe dazu, die irgendwas träumte und es lautstark kundtat: einmal wollte sie unbedingt auch in den kindergarten und einmal wollte sie unbedingt einen delphin. probleme, bei deren lösung man mitten in der nacht natürlich gerne behilflich ist. (das schlimme ist: sie schläft. man selbst ist wach.)
trotzdem empfängt einen der hauseingang wie eine gemütliche, warme höhle. und offenbar ist die flächendeckende bodenheizung im erdgeschoss warm genug, kinder- und elternschlafzimmer zu wärmen. fürs spielzimmer geht die rechnung nicht auf, das zimmer ist trotz heizung eher kalt. vielleicht, weil es zwei fenster hat und übers eck geht? ist beim elternschlafzimmer zwar auch so, das hat aber nur ein fenster.
egal.
seit tagen irrlichtert eine fliege im büro umher. man sieht ihr an, dass sie, passend zum wetter, im winter ihres lebens angekommen ist, und das ist es, was uns davon abhält, ihr den rest zu geben. es wäre unsäglich einfach, weil sie so lahm geworden ist, aber irgendwie ist sie auch noch eine zeugin der letzten, warmen tage bevor der schnee fiel. die fliege hat ein feature, das ich so noch nie gesehen habe: ihr eines vorderbein steht hoch. man würde es bei menschen vielleicht spastisch nennen, aber es sieht sehr putzig aus, wenn sie mit diesem hochstehenden beinchen irgendwo rumwuselt.
mein sohn ist ein schneemensch. ich hätte das nie gedacht. vor zwei tagen, als mikrige zwei zentimeter auf der wiese lagen, hat er die ganze familie brutal geweckt – okay: es war 7.45 uhr – und um 7.55 war er schon draussen. an seinem freien vormittag. heute morgen, als zu den mikrigen zwei zentimetern noch ein paar dazu gekommen waren, schafften es er und sein freund lange nicht, von zu hause loszukommen – erst musste der ganze schnee ans küchenfenster geschmissen werden. und es war eine menge, frisst natürlich zeit, eh klar.
mittlerweile hat er wenigstens winterstiefel. doch die jacke ist ihm viel zu kurz, und dafür die skihose viel zu gross. es ist ein krampf mit ihm: 116 geht obenrum gar nicht mehr, untenrum noch knapp, aber 122 ist ihm, je nach marke, noch viel zu gross. heute war er in einer leichten jeans draussen und hat dabei lustigerweise wohl bemerkt, dass er nicht direkt in den schnee knien sollte. von kältegefühlen jedenfalls keine spur und von krank auch null anzeichen.
ein dickes lob an meinen steuererklärungsausfüller: die definitive rechnung beträgt einen mittleren dreistelligen – DREISTELLIGEN! – betrag. ich bin entzückt. höchst entzückt. ich rechnete mit DREI nullen.
drei tage dauerten die festivitäten zum fünften geburtstag des sohnes. drei tage. drei mal fünf jahre alt werden, ich weiss nicht, war das zu unserer zeit schon üblich? begonnen hat es am donnerstag, seinem richtigen geburtstag, wo er am morgen frei hatte, am nachmittag in den kindsgi und am abend an den laternenumzug ging. was mir davon blieb, ausser dass es nass und kalt war, war die kleine hexe, die vom papa getragen wurde und als der bollo, stolz wie bolle, mit seinen kindsgikollegen von dannen zog, zu weinen begann: «er darf nicht gehen. ich hab ihn so gern.»
am freitag durfte er im kindsgi feiern, die kleine hexe und ich durften dem ritual beiwohnen, in dem der kleine fünfjährige kerl wie ein könig gefeiert wurde. es war unglaublich süss, wie er durch das spalier seiner kollegen lief, zu spüren, wie er wirklich von allen gemocht wird, und zu sehen, wie er einiges an sozialkompetenz, die er gewonnen hat, dort gelernt hat. unglaublich. der kuchen, den ich mitgebracht hatte, war übrigens ein ganz normaler marmorkuchen, den ich in drei statt zwei teile geteilt hatte und die zwei «weissen» anteile mit blauer und roter lebensmittelfarbe eingefärbt habe. schokoguss drüber, ein bisschen deko, und die kiz waren begeistert.
und heute, heute fand die grosse party statt. eine piratenparty. sieben kinder hatte er eingeladen, und alle zusammen gingen sie auf schatzsuche auf einen nahe gelegenen spielplatz. alle hatten eine piratenmütze auf und käptn wöhrefäldli hatte eine schatzkarte mit mehreren posten vorbereitet. es war der hammer. die kiz waren mit begeisterung dabei, unser sohn natürlich zuvorderst, aber die schatzkarten, die hat er immer schön an die anderen verteilt. jeder, so weit es ging, durfte einmal die jeweilige schatzkarte halten - und das, ohne das wir auch nur einen ton gesagt hatten. der schatz war eine golden bemalte holzkiste, in dem für jedes kind ein säckli mit schoggi-goldmünzen zu finden war.
und während der eb ein feuer machte, um schoggi-bananen zu bräteln, spielten die kinder miteinander. es war ein grosser spielplatz, es war super lustig, und man musste gar nicht mehr tun, als die kiz machen zu lassen. es gab nicht ein einziges mal streit. abends kamen noch die grosseltern und götti und gotte zu uns, und auch dem lieblingscousin seine familie blieb zum spaghetti-essen. es gab übrigens eine bolognese, die ich ohne zu würzen vier stunden gekocht hatte. hammer. aber leider zu wenig :-)) dafür war die zucchettisauce gar nicht gut, da zu wässrig, irgendwie.
anyway: der bollo, der hatte glaubs einen wunderschönen tag. und, wie immer, das wichtigste ging unter bisher: frau seenia war auch dabei. und als wir zu ihren piratenmuffins happy birthday sangen, da wollte der bollo nirgendwo anders als auf ihren knien sitzen.
in der schweiz wird derzeit darüber diskutiert, ob man reichen menschen eine reichtumssteuer zumuten kann. es ist eine initiative der linken, und die reichen und die rechten sagen natürlich: nein. die reichen, vor allem ausländer, sagen natürlich: dann ist das leben in der schweiz zu teuer, dann müssen wir gehen. und mit ihnen die steuerfranken, die sie bisher entrichtet haben.
ich mag nicht von erpressung reden, und trotz ist wohl auch ein zu grosses wort. ich finde es nur sehr beschämend, wie viele schweizer klein beigeben. es wird heissen, ach, da und da hätte man das nicht bauen können, wenn die reichen nicht bezahlt hätten. na und? es gibt tausende stiftungen, die kleckern und klotzen können, warum nicht mal die anfragen? warum nicht mal dorfbewohner um fronarbeit bitten, damit es einen neuen spielplatz geben kann?
ich habe bis vor einem halben jahr in einer der teuersten gegenden der schweiz gewohnt. sie bauten im quartier einen spielplatz, der 200 000 franken kostete - und pädagogisch sehr wertvoll war. pädagogisch wertvoll in der sprache der reichen gemeinden heisst: sandkasten und schaukel überflüssig. und nein, das ist kein scherz. es gibt aber noch viel mehr aspekte, stichwort finanzausgleich: das viele steuergeld nutzt den reichen gemeinden nur wenig, im gegenteil - je mehr steuern bezahlt werden können, desto mehr müssen sie in den finanzausgleich abgeben und dafür auch mal den steuerfuss erhöhen, damit man die eigenen projekte finanzieren kann.
wo ich vorher wohnte, sprach man die ganze zeit von gemeinnützigem wohnungsbau. gemeinnütziger wohnungsbau in den reichen gemeinden heisst: eine viereinhalbzimmerwohnung für annähernd 3000 franken - eine summe, die wir uns nicht leisten konnten. die wohnungen werden an einem ort gebaut, wo tagsüber alle stunde ein bus fährt und am sonntag gar keiner. und nein, es ist kein ort, wo man lange hinlaufen will. aber müsste.
ich kannte viele reiche leute. die, die aus dem ausland kamen, haben sich kaum integriert. man kann sagen, die balka.ner bleiben unter sich, aber die amis und die engländer genauso. von der hiesigen sprache lernen halten sie gar nix. (es gibt, natürlich, ausnahmen.)
das ist die eine seite. die andere ist: man zügelt sich und seine firma nicht einfach so weg. als die pauschalbesteuerung im kanton zürich abgeschafft wurde, gab es kaum wegzüge von reichen, jedenfalls nicht dort, wo ich wohnte. obwohl sogar in nationalen zeitungen darüber spekuliert wurde - auch in den sogenannt seriösen. die schweiz hat wohl vorzüge, von denen man in anderen ländern nur träumen kann - und selbst wenn eine reichtumssteuer kommt, ist alles in allem noch viel kleiner, als wenn sie alles zum beispiel in deutschland versteuern müssten.
also. wer gehen will, soll gehen. vielleicht wird dann alles wieder ein wenig normaler und gemeinnütziger wohnungsbau, weil auch wieder otto normalos in den dörfern wohnen wollen, wieder so, wie er sein sollte. :-)
ich kann dieses «kamp.f der ch.öre» nicht sehen. alles in mir sträubt sich dagegen, aber wirklich alles. und wenn ich dann noch höre, dass unser lieblingswalliser mit bernerdialekt moderiert, dann mag ich eh noch mal nicht – man nehme bitte diesen mann vom bildschirm weg. aber ich warte auf die nachfolgesendung, die ich die letzten sonntage verschlafen habe, und deshalb halt ich mich jetzt mit texten wach.
es war ein schönes, ausgefülltes wochenende. gestern war der mann an einer weiterbildungsmesse arbeiten. der rest blieb zu hause und hatte es unglaublich friedlich, der bollo bekam noch besuch vom nachbarsbub, mit dem er drei stunden allerfriedlichstens spielte. (heute namen sie zwei anläufe und beide gingen nach einer viertelstunde schief.) später holten wir den eb von der messe ab, und während wir auf ihn warten mussten, passierte eine der zwei surrealen einlagen dieses wochenendes.
man stelle sich vor: eindunkeln, ich mit zwei kiz auf einem parkplatz, und plötzlich ertönen sirenen. erst krankenwagen, dann feuerwehr – und dann scheppert es gewaltig. ein töfffahrer hatte bei der parkplatzausfahrt ein auto übersehen oder umgekehrt, jedenfalls lag der töfffahrer am boden. sofort liefen jede menge menschen hin, um zu helfen, so dass ich bei den kiz bleiben konnte. es schien nicht allzu schlimm gewesen zu sein; der töfffahrer konnte sich später selbst aufs trottoir begeben. doch während er noch am boden lag, sausten noch mehr feuerwehren und noch mehr ambulanzen vorbei – und keiner wollte zu ihm, obwohl er da so am boden lag und bestimmt nichts gegen einen krankenwagen gehabt hätte.
das zweite erlebnis ist von heute nachmittag. das fille du limmatquai, der mgb und ihr sohn waren spontan zu uns gereist, damit der mgb für mich eine velotour machen konnte (do not ask). die kinder spielten wunderschön zusammen, feuerwehr und co, alle drei tanzten um den zmorgetisch und im schönen wetter draussen rum. später gingen wir auf den nahe gelegenen spielplatz, um für die piratenparty zu rekognoszieren, wo die kinder wiederum sich herrlich selbst beschäftigten. wiederum mit feuerwehr und diesmal noch mit fischefangen. anyway, das häxli-gotti und ich lagen so in der wiese und plötzlich sahen wir weiter unten den eb, der seine tochter auf dem rücken trug und mit ihr wohl einmal mehr kleiner donner spielte. ich lachte mich halb krank: oben die jungs am feuerwehrlen, unten die zwei, wie aus dem nichts, rumgaloppierenden siouxe :-))
was ich vergass: der bollo durfte am samstag wieder aufs pferd sitzen. das häxli hat es leider verschlafen.