ich hab noch immer keinen hunger. und doch bestell ich immer was, das ich dann nicht essen mag. keine ahnung, wo er geblieben ist.
das fressen fast vergessen. einzige nahrungszufuhr: takeaway vom tibits. fein. davor und danach: stress. und viel, viel rauch.
grad von einem rezensenten "reibereien" zum lesen erhalten. damit der schaden wieder behoben werden kann.
die rezensenten (schreibt man das so?) verreissen das buch. die woz widmet dem sex eine ganze zeitung, und ich komme nicht umhin, zu sagen: warum darf sex bei der linken keinen spass machen? zu dr. sex heisst es in ebendieser zeitung, man werde es nicht mit einer hand lesen können. und das, bei gott, will ich nicht, wenn ich ein buch von tc. boyle lese.
kürzlich hatte ich auch eine diskussion über philippe djian. er hat wunderbare bücher geschrieben, betty blue oder pas de deux, geschichten über die liebe, wie man sie selbst vielleicht in dieser absolution auch einmal erlebt hat.
aber dann schrieb er schwarze tage, weisse nächte, und mir verging die lust auf philippe djian. ich persönlich fand es zu pornografisch, in einer art und weise, die ich nach betty blue und pas de deux als sehr plump empfand. der schaden, den das buch in mir in bezug auf djian anrichtete, konnte bisher nicht repariert werden.
egal. und jetzt dr. kinsey, prok, dr. sex - was auch immer. ich bin nicht prüde, und der dr. sex in der woz wird als sehr prüde beschrieben. ich habe ja keine ahnung, wie alfred kinsey war, ich hab seine studien nicht gelesen. aber die geschichte des john milk, wie er mit kinsey dem geheimnis des sex auf die spur kommt und für sich selbst entmystifiziert - im amerika zur zeit des zweiten weltkriegs - find ich sehr amüsant. auch da: jeder weiss, wie er aufgeklärt wurde und woher seine ansichten dazu stammen.
und wenn ich lust auf detaillierte beischlaf-beschreibungen habe, dann kann ich mich auch an monsieur houellebecq wenden. der war nie anders, da weiss man, was einen erwartet. also, tc boyle: bitte ändere dich nicht. bitte nicht. mein leben wäre ganz arm sonst.
er hat mir ein american breakfast hingestellt. nicht mit eggs benedict, die ich so liebe. dafür hat er, der vegetarier, speck für mich gebruzzelt. dazu gabs rösti und zwei spiegeleier.
wenige stunden später fand ich mich in einem quartierrestaurant im seefeld wieder. das date war schon lange abgemacht, was meinem bauch egal war: er hatte keinen hunger. das merkte ich, als ich in den knackigen salat beissen wollte. auch die tomatensuppe ging fast ungegessen zurück.
schade, eigentlich. und jetzt gibz dafür ein birchermüesli. vom tibits oder so.
einmal, es ist jahre her, in einer nacht mit viel wein in einem haus in den hügeln, wo ich herkomme, erzählte mir ein freund von der begegnung der liebenden im buch "grün ist die hoffnung". nur tage später hatte ich das buch gelesen, ja geradezu verschlungen.
dann las ich noch "willkommen in welville", "riven rock", "drop city" - einfach alle, die eher im jetzt spielen als "america" oder "world's end". und jetzt bin ich bei dr. sex angelangt. natürlich wusste ich schon seit wochen, dass das buch am 5. märz in den buchhandlungen liegt. ungefähr genau so lange ging ich praktisch jeden tag in der buchhandlung vorbei, die ich eigentlich schon lange boykottieren und statt dessen die kleinen unterstützen will. in der kleinen hoffnung, dass das buch - wie viele andere davor - schon jetzt in den regalen liegt.
ob sie mich registrierten? nun, am samstag wagte ich es nochmals - nach einem feinen brunch im sprüngli, angenehme begleitung, der ich davon berichtete - und, siehe da: es war da. und jetzt les ichs.
das war am samstag. am bahnhof, auf dem weg zum hcd, traf ich zufällig einen jungen mann, der damals, als ich noch in den hügeln wohnte, mit mir konformiert wurde. "und, welches buch hast mit?" fragte er zum abschied.
für manche menschen bin ich wohl nackt ohne buch in der tasche. mit dr. sex konnte er nix anfangen. so sind sie, in den hügeln. und auch wenn weingeschwängerte nächte seither rar sind - ich wünsch mich nicht zurück.